Bonner Hofgarten

Vom Kurfürst zur Friedensbewegung

Nach dem Deutschlandfest 2011 brauchte der Rasen „mal ‘ne Pause“, wie Schilder der Universität verkündeten. Im Jahr darauf nutzten die Wiese aber schon wieder Pétanque-Spieler aus vier Nationen, dann folgte, wie in jedem Sommer, das Uni-Fest mit über 1100 Absolventen. 1952 hatte Bundespräsident Theodor Heuss im Hofgarten – mit einem Ahorn – den „Tag des Baumes“ begründet, später gründeten Medizinstudenten das „Hofgartenorchester“ und weibliche Fußballfans die „Hofgartenkickerinnen. Es ist allseits ein beliebter Treffpunkt. Die Hofgartenwiese lädt ein zum Picknicken, zum Spielen, und „es sich gut gehen lassen“, für die Morgengymnastik, und auch als Notschlafstelle für Studenten in Zelten in den 70 er Jahren, die zu Anfang des Semesters noch keine „Bude“ gefunden hatten.

Tatsächlich hat der Bonner Hofgarten einiges erlebt, seit ihn Kurfürst Clemens August im 18. Jahrhundert als Open-Air-Teil seiner Residenz anlegen ließ, übrigens mit exquisiter Aussicht aufs Siebengebirge. Als dann der Preußen-König 1818 die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität gründete und im ehemaligen Schloss einquartierte, avancierte das Gelände zum Bürger-Treff, auch wenn die Universität Anfang des 20. Jahrhunderts noch zu verhindern suchte, dass es „zum Volksplatz und Aufenthaltsort für Kindermädchen und spielende Kinder“ werde. Nachdem Bonn Bundeshauptstadt geworden war, so weiß die Stiftung Haus der Geschichte, fand der Souverän am nördlichsten Punkt der Regierungsmeile „ein eigenes Grün, um die Volksvertreter gelegentlich an den Willen oder auch an den Zorn der Wähler zu erinnern“.

So geißelte die Studentenbewegung auf der Hofgarten-Wiese die „Notstandsgesetze“ der Großen Koalition, die Atomkraft-Gegner waren auf dem Gelände gleichsam zu Hause und geradezu legendär ist die Friedensdemo vom 10. Oktober 1981, als rund 300 000 Menschen gegen das Wettrüsten der Großmächte, insbesondere gegen den Nato-Doppelbeschluss, protestierten. In Bonns Innenstadt hatten Geschäftsleute ihre Läden mit Brettern gesichert, doch die Kundgebung verlief ganz friedlich: Heinrich Bölls Aufforderung, zufällig mitgeführte Steine niederzulegen und „dem Fuhrpark der Stadt Bonn“ zu überlassen, wurde befolgt.

Friedens- und Abrüstungsdemonstration auf dem Hofgarten in Bonn 1981 (picture-Alliance / dpa)
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(Fotonachweis(e): (c) dpa - Bildarchiv, (c) Stadt Bonn, Presseamt, Michael Sondermann)

Adresse

Am Hofgarten

53111 Bonn